... was wird mich in Indien erwarten!
Einen kleinen Einblick hatte ich ja schon vor 11 Jahren. Allerdings war es eine Reise ganz anderer Art. Es begleitete mich meine Freundin und wir übernachteten in ehemaligen Maharadscha-Palästen. Natürlich lernten wir auch hautnah die Armut kenne, Delhi, Jaipur, Agra uvm.
So seltsam wie es klingt, wir Europäer haben geradezu eine romantische Zuneigung für dieses farbenprächtige, exotische und faszinierendes Land entwickelt. Indien ist kleiner als die EU, aber es leben dort doppelt so viele Menschen und bald wird es China überholen und zur größten Nation der Erde heranwachsen.
Aber ich habe kein anderes Land kennengelernt, welches fremder, mystischer und religiöser ist. Fast alles ist heilig und nahezu jedes Tier. Und da beginnt schon die Widersprüchlichkeit für mich. Die Tiere werden geschlagen, daß man meint, die Knochen brechen. Indien "schimpft" sich gern das größte, demokratischste Land der Welt. Aber wo bleibt die Menschenwürde. Kein Inder würde ein Straßenkind berühren, geschweige denn mit ihnen essen. Offiziell, lt. Verfassung, ist das Kastensystem verboten. Wie kann es sein, daß ein kleines Mädchen von ca. 12 Jahren - sie saß hinter mir auf dem Motorroller - mit ansehen mußte, wie sich die Mutter verbrannte und der Onkel sie vergewaltigte. Sie ist traumatisiert und braucht Hilfe - ein Straßenkind, ein unberührbares, kastenloses Menschenkind. Darüber aber später.
Diesmal nahm ich nach Indien eine andere Rute, nicht über die Türkei sondern über Helsinki mit der Finnair. Obwohl einen Tag vor meinem Abflug der Hamburger Flughafen dicht war wegen Streik, war am Samstag 19. Januar, davon nix mehr zu merken. Pünktlich landete ich in Delhi, wo ich von meinem Empfangskomitee, Christine und Manoj empfangen wurde. Sie waren schon 10 Stunden unterwegs, von Jaipur kommend. Ein paar Stunden nächtigten sie im Auto. Und nun ging es gleich weiter, mit einem Stopp, zum WildBrook Reseat in der Nähe von Rishikesh.
Die Transitstraßen sind ähnlich gut/schlecht wie in anderen Millionenstädten. Nix aufregendes. Meinen Schalter mußte ich umschalten auf die englische Sprache. Anfänglich hatte ich Schwierigkeiten mit Manoj`Sound. Als ich mich eingehört hatte, war alles ok.
Delhi ließen wir hinter uns und nun fuhren wir Bundesstraßen. Der Unterschied war gewaltig und auch das Rechts und Links von der Straße zog mich in den Bann. Das Leben spielte sich alles auf/am Straßenrand ab, ähnlich wie in Afrika: Es wurde geflickt, gekocht, gehütet, gehämmert usw. Die heiligen Kühe und die vielen, vielen Hunde hinterließen ihre Machenschaften und liefen kreuz und quer über die Straße oder machten es sich gemütlich auf der Fahrbahn.
No Problem, mit viel Gehupe in allen Tonfrequenzen wurden die Tiere so "zärtlich" aufgefordert, Platz zu machen. Manche erhoben sich behäbig, andere dachten nicht daran und sie wurden umfahren, trotz Gegenverkehr, es richtet sich, alles irgendwie.
Wir näherten uns Rishikesh. Rishikesh ist der Ort, wo die Beatles im Ashram meditierten, davon aber auch später. Langsam, Schlagloch an Schlagloch war der Rajaji Nationalpark, indem WildBrook liegt, sichtbar. Wilde und schöne Natur.

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